um himmels willen, aus dieser perspektive hätte ich das bis jetzt nicht angesehen – naiv halt…

Benu, Sonjas Abgeblätterter

kurz frottiert, im Bund von heute von Renate Bühler

Natürlich war sein Maxi damals besser frisiert als er selber. Benu liebte seine Maschine, polierte seinen silbergrauen Stolz täglich, verzierte den Hochlenker mit eigens vergoldeten Nuggis und ergänzte die Pracht mit wilden «Hells Angels»- Klebern. Die Sonja liebte er übrigens auch, der Benu, die trug nämlich eine Dauerwelle, eine Zahnspange und einen breiten Nietengürtel. Und wenn sie miteinander abmachten, vor der Milchhandlung meistens, wenn sie dann so dastand und ihn anlächelte, und wenn er nicht so genau wusste, wie er ihr sagen sollte, dass sie ihm gefällt, dann gab er mit der rechten Hand Schub, stemmte die Füsse gegen den Boden und liess seine Maschine das Pony machen. Dann wusste die Sonja Bescheid.

Sie haben dann später geheiratet und im Dorf ein hübsches Häuschen mit einem grossen Garten gekauft. Samstags werkeln die beiden gerne im Garten. Sonja jätet die Gemüsebeete, und Benu mäht den Rasen. Eigentlich hätte er ja gerne einen Minitraktor, doch Sonja ist dagegen: Für so etwas sei der Garten viel zu klein, sagt sie, und sie hat ja Recht.
Sonja trägt ihr Haar mittlerweile kurz, das ist praktischer. Und der Benu fährt einen Vierlivier, wintersicher. Am Wochenende machen sie manchmal mit klein Kevin, Jessica – schon eine Zweitklässlerin, wie doch die Zeit vergeht! – und Labrador Robin eine Spritztour irgendwo an die Aare. Kinder und Hund müssen doch austoben können.
Wenn sie dann so im Herbstwind steht, die Sonja, schaut der Benu seine Frau manchmal von der Seite an und denkt, dass sie ihm eigentlich immer noch so gut gefällt wie damals vor der Milchhandlung. Dann pfeift er den Hund zu sich und streichelt ihm durchs Fell. Wenn Kinder und Robin schlafen, schauen Benu und Sonja gerne fern. Zum Abschalten.
Letzten Oktober hat der Benu nun doch zugeschlagen. Seither ist er voll dabei: Fällt ein Blatt auf den Rasen, schultert er seinen Laubbläser und schafft Remedur. Bis tief in den Dezember hinein ist er mit seiner Maschine beschäftigt. Und wenn die Sonja aus dem Küchenfenster schaut, gibt Benu ganz besonders Gas mit seinem Gebläse. Dann lächelt die Sonja – sie weiss wieder Bescheid. Wie seinerzeit.